27. Juli 1942: Deportation nach Theresienstadt

Vor siebzig Jahren wurden Siegerländer und Wittgensteiner Jüdinnen und Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Das Kreisarchiv hat aus diesem Anlass eine Aufstellung erstellt, die diejenigen beinhaltet, die aus dem heutigen Kreisgebiet  nach Theresienstadt deportiert wurden. Außerdem enthält die Liste die Personen, die im derzeitigen Kreisgebiet geboren wurden, aber zum Zeitpunkt der Deportation woanders lebten. Ergänzend finden sich auch Jüdinnen und Juden, die später nach dem 27. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden.

Die Aufstellung enthält die Informationen der einschlägig online verfügbaren Datenbanken – Bundesarchiv, Yad Vashem, JewishGen, Westphalian Jews und die Datenbank des Kölner NS-Dokumentationszentrums. Ferner wurde die Datenbank des Aktiven Museum Südwestfalen ausgewertet. Redaktionsschluss war das Frühjahr 2009.
Link zur PDF-Datei: Theresienstadt

1 thought on “27. Juli 1942: Deportation nach Theresienstadt

  1. Hartmut Prange weist darauf hin, dass in der Liste der nach Theresienstadt deportierten Personen Jakob Wolff aus Arfeld fehlt und stellt daher dankenswerterweise seine Forschungsergebnisse zur Familie Wolff zur Verfügung:
    “Henriette und Jakob Wolff aus Arfeld

    Henriette Wolff, geb. Löwenstein, geboren am 5. Oktober 1872 in Arfeld. Sie war Tochter des David Löwenstein (1840-1910) und seiner Frau Karoline Löwenstein, geb. Löwenstein aus Arfeld. David Löwenstein arbeitete in Arfeld als Metzger und wohl auch als Viehhändler. Die Familie Löwenstein muss damals schon seit einigen Generationen in Arfeld gelebt haben. [6]

    Jakob Wolff, geboren am 21. März 1875 in Altena. Als Beruf ist in verschiedenen Urkunden des Standesamts Arfeld Handelsmann, Metzger und Viehhändler angegeben.
    Ob Jakob und Henriette in Arfeld oder in Altena geheiratet haben, ist nicht bekannt. Eine Heiratsurkunde ist nicht erhalten geblieben, sodass auch das Jahr der Eheschließung nicht belegt ist. [6]

    Henriette und Jakob Wolf sind 1936 nach den Angriffen auf ihr Haus zur Familie des Sohnes Karl Wolff und seiner Frau Rose nach Treis an der Lumda gezogen.
    Die Schmierereien und Angriffe auch auf weitere Häuser in Arfeld und den benachbarten Dörfern sollten als „Letzte Warnung“ verstanden werden. Das deutet eher auf Angehörige des RAD-Lagers Elsoff als Anstifter hin, als auf die „Dorfjugend“, die allerdings mitgemacht hat. (s. Opfermann, [4])

    Henriette und Jakob Wolff sind am 14. September 1942 aus Treis verschleppt worden. Am 27. September 1942 wurden sie mit einem Transport von Darmstadt nach Theresienstadt deportiert.
    Der Sohn Karl Wolff starb 1940 an den Folgen der Misshandlung in Buchenwald. Rose Wolff hat nach dem Tode ihres Mannes Karl zwischen 1940 und 1942 noch vergeblich versucht, sich und ihre Familie über Verwandte in Bad Nauheim und Frankfurt in Sicherheit zu bringen.
    Karl Wolffs Frau Rose oder Rosi Wolff, geb. Plaut, * 31.10.1900 in Ottrau bei Ziegenhain, ihre Kinder Liesel, * 23.10.1929 in Gießen (Stieftochter), Bernd Jakob, * 14.05.1935 in Gießen, und die Schwester von Rose Wolff, die Witwe Jenny Wolff (?, nach [2]), geb. Plaut (Jg. 1900 ?; Jenny Kleeberg, geb. Plaut, * 20.05.1898 Ottrau (lt Gedenkbuch) ), sind am 14. September 1942 aus Treis verschleppt worden. Am 27. September 1942 wurden sie ebenfalls mit einem Transport von Darmstadt nach Theresienstadt deportiert.

    Henriette Wolff starb in Theresienstadt am 30. Juni 1943.

    Jakob Wolff wurde am 16. Mai 1944 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz gebacht. Für tot erklärt.

    Rose Wolff und ihre Kinder Liesel und Bernd Jakob wurden vermutlich von Theresienstadt nach Treblinka weiter transportiert. „Verschollen“. Das gilt ebenfalls für Jenny Wolff.

    Für Henriette und Jakob Wolff liegen Stolpersteine in Arfeld, Hauptstr. 30. Vier Stolper-steine liegen für die übrigen Familienmitglieder in Staufenberg-Treis, Hauptstraße 66.

    Quellen:

    [1] Liste, 21 Seiten, mit Namen und kurzer Lebensbeschreibung nach Theresienstadt deportierter Menschen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein mit Angabe der Quellen:
    http://www.siwiarchiv.de/wp-content/uploads/2012/07/Theresienstadt.pdf (Autor: Thomas Wolf)

    [2] Stadt Staufenberg, Treis an der Lumba
    Stolpersteine, u. a. für Mitglieder der Familie Wolff aus Arfeld
    Zusammengetragen von der Stadtarchivarin Barbara Wagner, Stadtarchiv Staufenberg:
    http://www.stadtarchiv.staufenberg.de/stolpersteine/opfer/opfer.pdf

    [3] Volker Hess: Geschichte der Juden in den heutigen Ortsteilen Staufenbergs Daubringen, Mainzlar, Staufenberg und Treis, Staufenberg, 1990
    http://www.tagebergen.de/home/v/publish/Hess1990a.pdf

    [4] Ulrich F. Opfermann, „Mit Scheibenklirren und Johlen“, Siegen 2009, S. 86

    [5] Opfermann weist hin auf: Heinz Strickhausen, Berleburg – Eine Kleinstadt am Rande des Krieges, Bad Berleburg 1999, S. 95 f.

    [6] Private Mitteilung von Frau Gerda Achinger am 17.10.2012 “

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