Ist das Rätsel des „gemauerten Hauses“ auf der Hammerhütte gelöst?

Angeblich soll es schon im 15. Jahrhundert errichtet worden sein: das so genannte „gemuurde Hus“ in dem urkundlich 1417 erwähnten Vorort Hammerhütte. Zahlreiche Spekulationen ranken sich um dieses markante Anwesen. Der quadratische Grundriss, ein historischer Tonnengewölbekeller, mächtige Mauern und die einst mit Eisengittern gesicherten Fensteröffnungen könnten für ein Gebäude mit fortifikatorischem Charakter sprechen. Tatsächlich spekulieren Burgenforscher und Historiker seit knapp einem Jahrhundert über seine mutmaßliche Funktion. Handelte es sich um den Sitz einer niederadligen Familie? Um die Reste eines turmartigen Wachtpostens oder einer kleinen Burg?

Christian Brachthäuser hat sich anlässlich des 600jährigen Jubiläums der Hammerhütte im Jahr 2017 diesem spannenden, bislang kaum beleuchteten Kapitel der Siegener Stadtgeschichte genähert. Für sein neues Buch „Das Rätsel des Gemauerten Hauses“ hat der Mitarbeiter des Stadtarchivs Siegen alte Schriftquellen und historisches Kartenmaterial ausgewertet. Und dabei erstaunliche Details zusammentragen können, die vielleicht sogar ein neues Bild auf die mittelalterliche Geschichte Siegens werfen könnten. „Bemerkenswert ist zum Beispiel die Nähe des Bauwerks zu der als ‚alden stat‘ bekannten Vorgängersiedlung Siegens lange vor der urkundlichen Erwähnung von 1224“, wie er herausfand. „Durch archäologische Ausgrabungen ist bekannt, dass unterhalb der Martinikirche an Weiß und Leimbach die Ursprünge Siegens zu suchen sind. Und auch wenn ein 1288 belegtes Nonnenkloster im Bereich der heutigen St.-Johann-Straße nicht unmittelbar etwas mit dieser ‚alden stat‘ zu tun hat, stellt sich doch die Frage nach der Bedeutung eine nahe gelegenen Bauwerks mit wehrhaftem Charakter. Zumal sich hier auch zahlreiche historische Fernwege kreuzten und Schmiedeplätze sowie Hüttensiedlungen befanden.“
Nach einem informativen Einstieg in die Geschichte des Vororts Hammerhütte und seiner Bewohner von 1417 bis ins frühe 20. Jahrhundert präsentiert der Buchautor seine Indizienkette. „Der Flurname ‚Auf der Burg‘ in der Ziegelwerkstraße könnte noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts auf eine abgegangene Burgstelle zumindest im näheren Umfeld hingedeutet haben“, berichtet Brachthäuser. Eine Beweisführung kann und soll das Buch natürlich nicht darstellen, wie er betont, denn Reste des Bauwerks wurden 1946 endgültig zerstört und das Grundstück anschließend überbaut; eine wissenschaftliche Untersuchung des Areals einschließlich etwaiger Gebäudefundamente oder Holzbalken dadurch unmöglich gemacht. Analogieschlüsse sind aber erlaubt. „Die Parallelen zu zeitlich und architektonisch vergleichbaren, kleineren Turmburgen im südlichen Siegerland und auf dem Westerwald sind jedenfalls sehr auffällig. Diese Wehranlagen wurden häufig im 12. Jahrhundert errichtet und in historischen Schriftquellen bezeichnenderweise selbst vielfach ‚steinerne Häuser‘ genannt“, gibt der Autor zu bedenken. „In einer Grenzregion wie dem Siegerland könnte vielleicht auch das gemauerte Haus im Hochmittelalter ein befestigter Verwaltungssitz gewesen sein, noch bevor sich die Grafen von Nassau hier etablierten.“ Zahlreiche Verweise auf die Nutzung und Baugeschichte solcher Turmburgen zwischen Rhein und Lahn runden die Veröffentlichung ab.

„Das Rätsel des Gemauerten Hauses von Siegen“ (ISBN 978-3-95652-228-4) ist im Ancient-Mail-Verlag erschienen und zum Preis von 16,80 Euro ab sofort überall im Buchhandel erhältlich.

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