Internetseite zur Zwangsarbeit zwischen 1939 und 1945 im Siegerland

Anmerkungen bzw. Wünsche

“ …. Unser Projekt soll stetig wachsen. Wir sind auf Kritik, Verbesserungen, Korrekturen, Mitwirken und Mitarbeit angewiesen. Darum bitten wir Sie! ….“
aus: Projektseite
Der VVN BdA Siegerland-Wittgenstein betreibt das empfehlenswerte Onlineangebot, das die Informationen zur Zwangsarbeit während des Dritten Reiches im Siegerland seit nunmehr fast dreizehn Jahren bündelt. Nachdem sich siwiarchiv den VVN-Angeboten zum Widerstand und zu den Tätern gewidmet hat, hat die VVN via Facebook gebeten sich auch den beiden anderen Angeboten zu widmen; dies sei hiermit für das Zwangsarbeitprojekt gerne getan.
Zunächst gilt es einige allgemeine Bemerkungen zu machen. Aus nachvollziehbaren Gründen ist ein direktes Einpflegen neuer Einträge oder Ergänzugen von Dritten nicht möglich; so entfällt eine aufwändige Redaktion. Dies nimmt allerdings dem Aufruf zur Mitarbeit ein wenig den Schwung.
Aufgrund der fehlenden Autorennennung ist bei einer Zitierung der Einträge immer die VVN/BdA zu nennen; sie wäre somit für alle Fehler, etc. verantwortlich. Hauptsächlich ist aber das Fehlen eines Erstellungs- bzw. Überarbeitungsdatum der Einträge das größte Manko auch diese Angebots. Wie soll jemand, der nicht in der regionalen, zeithistorische Blase unterwegs ist, erkennen, wann ein Eintrag durch die Autorin bzw. den Autoren geändert wurde?
Hätte ich zwei Wünsche frei, so würde ich mir eine Ausweitung des Portals auf das gesamte Kreisgebiet wünschen, wie dies ja auch schon bei den „Täter“ und dem „Widerstand“ der Fall ist. Ferner würde ich mir eine Rubrik „Aktuelles“ wünschen; dort könnten Informationen über die aktuelle politische Diskussion um einen Lern- und Gedenkort oder über einschlägige Termine ebenso Platz finden, wie der Hinweis auf Literatur zum Thema oder der Hinweis kleinere historische Arbeiten.

Schließlich noch eine Frage: habe ich eine Verlinkung auf das Aktive Gedenkbuch oder das mapping memories des Aktiven Museums Südwestfalen übersehen?

2 Kommentare zu „Internetseite zur Zwangsarbeit zwischen 1939 und 1945 im Siegerland“

  1. Man kann immer alles noch besser machen, und es ist nur gut, wenn dazu Ideen und Vorschläge kommen. Zwar kann und darf ich mich hier nicht an die Stelle der VVN setzen und werde daher auch auf die Kritik oben nicht näher eingehen. Allerdings ist hier ein generell guter Ort, auf die erinnerungskulturellen Repräsentationen in der Region einzugehen und daher nehme ich diesen Beitrag gerne als Anlass. Er benennt nämlich als gelungene Beispiele zwei wichtige Informationsangebote der lokalen Gedenkstätte im Obergraben: zum einen das „Aktive Gedenkbuch“ und zum anderen ein als „mapping memories“ ausgewiesenes, offenbar bekannteren Hochschulprojekten nachempfundenes Unternehmen. Zu beiden wird von der Gedenkstätte der Anspruch erhoben, Südwestfalen zu repräsentieren. Das wird bislang noch in keiner Weise eingelöst und es ist leider auch kein Ansatz dazu zu entdecken.
    Im einen Fall geht es real nur um den Kreis Siegen-Wittgenstein und im anderen nur um die heutige Stadt Siegen. Da wäre also noch einiges zu tun, was die Forschungsarbeit zu „Südwestfalen“ angeht. Aber da mögen dann andere in Meinertzhagen oder Berleburg gut beihelfen können.
    Es blieb einmal bei S/W und ein anderes Mal bei der heutigen Stadt Siegen. Was nun die Naziopfer angeht, die dort benannt und im Bild gezeigt werden, gibt es die bekannte Schlagseite, jüdische Opfer plus einige mit politisch nicht anstößiger Zugehörigkeit mit heimatlicher Ur-„Ethnizität“, die stehen sehr weit im Vordergrund. Das wäre also mein zweiter Verbesserungsvorschlag, denn geht man in das Aktive Gedenkbuch, wird man, ohne durchzählen zu müssen, schnell feststellen können, dass eine Mehrheit der dort genannten, nicht überlebenden Naziopfer aus der Sowjetunion kam. Auch erheblich vertreten: Polen. Der damalige (2014-2016) Eigenbefund der Gedenkstätte zu den Opfern korrespondiert mit der Gesamtbilanz, wie die Fachleute sie konstatierten. Die Zahlen zeigen an: den antislawischen Rassismus, den Antislawismus und Antirussismus der Nazi-Politik. Stand der nicht auf einer Ebene mit Antisemitismus? War das unbeachtlich der zwischen 15 und 20 Millionen allein sowjetischen zivilen Toten etwas weit dahinter Zurückzustellendes? Muss das gar nicht angesprochen werden? Warum nicht? So findet es sich nämlich in der jetzigen Dauerausstellung. Zwar gibt es dort an einer Stelle, die man erst finden muss, einen Hinweis auf die Zwangsarbeit bei der SIEMAG, aber mit der Erläuterung, der Firmenchef Bernhard Weiss habe sich mit der Forderung, auch seine „Russen“ müssten etwas essen, um arbeitsfähig zu sein, verdient gemacht. Ein Humanist also, der in Nürnberg wegen Zwangsarbeit Verurteilte?
    Was ist vor diesem Hintergrund nun mit der gehobenen Wissenschaftlichkeit dieser Beiträge? Und mit der Frage nach dem Verhältnis zur herrschenden Politik, die bekanntlich in den alten Antirussismus zurückgefallen ist? Ich denke mal, da gibt es noch was zu tun.

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