Über das Ende der archäologischen Expedition Noss-Gräve in Nordafrika (1939)

Quelle: Siegener Zeitung, 7. Juni 1939

Im politisches Archiv des Auswärtigen Amtes gibt es einen einschlägigen Vorgang im Archivband R 67081 (Bestand RZ 511 – Aus- und Rückwanderung, „Überwachung der Auswanderung nach den italienischen Besitzungen Afrikas“, Jan. 1921-Dez. 1939). Aus diesem geht folgendes hervor:

Am 2. Mai 1939 brachen Wihlem Noss (42 Jahre alt), Karl Gräve (30 jahre alt) und der Dolmetscher Friederich Erschbaumer (31 Jahre alt) von der Oase Kufra nach Uwenat auf. DIe Karwane umfasste neben 8 Kamelen weitere einheimische Führer. Im Gebiet von Gebel Nari verirrte sich die Expedition. Am 17. Mai 1939 wurde die italienische Wüstenpolizei der unteren Zone von Kufra von zwei Führern der Karawane, die von dieser zwecks Hilfe geschickt worden waren, über deren Schicksal informiert. Am folgenden Tag war die mit Flugzeug und Auto durchgeführte Suche erfolgreich. Man fand die Männer in einem äußersten Erschöpfungszustand vor. Der Dolmetscher verstarb bereits auf der Rückreise nach Kufra, Karl Gräve am 21. Mai. Wilhelm Noss wurde in das Hauptkrankenhaus von Bengasi gebracht, wo er mindenstens bis zum 17. Juli 1939 versorgt wurde.
Hintergrund und Zustandekommen der „Kundfahrt“ sind undurchsichtig. Dem Auswärtigen Amt war sie unbekannt, die italienischen Behörden hatten sie untersagt. Eine finanzielle Untersützung ist wohl weder durch die Kanzlei des Führers der NSDAP, noch durch das Reichsministerium für Wissenschaft, Erzeihung und Volksbildung, noch durch den Reichsbund für deutsche Vorgeschichte (Reichsleitung) erfolgt.
Lediglich die Stellungahme des vom Auswärtigen Amt eingeschalteten Frankfurter Forschungstitut für Kulturmorphologie erlaubt einen spärlichen Blick  in die Entstehungsgeschichte der Expedition. Noss hatte demzufolge das Institut aufgesucht und eine „außerordentlich phantastische“ Meinung zu Forschungsgegenständen des Instituts in Gilf Kebir vertreten. Am 12. November 1937 holte das Reichskultusministerium eine Gutachten über Noss in Frankfurt ein. Das Vorhaben Noss´ wurde als „nicht unterstützungswürdig“ angesehen, da es „von phantastischen wissenschaftlichen Voraussetzungen ausging“. Das Kultusministerium hatte auch das Archäologische Institut des Deutsches Reiches um eine Einschätzung gebeten. Das Archäologische Institut informierte sich daraufhin bei den Frankfurter Kollegen und hat sich wohl deren Meinung angeschlossen. Nur Prof. Hans Reinerth, Reichsinstitut für deutsche Vorgeschichte, hatte dem Antrag von Wilhelm Noss eine „warme Befürwortung“ gegeben.
Ob Recherchen im Bundesarchiv oder im Archiv des Deutschen Archäologischen Instituts weitere Erkenntnisse zutage fördern bleibt abzuwarten…..

2 Gedanken zu „Über das Ende der archäologischen Expedition Noss-Gräve in Nordafrika (1939)

  1. Das Ende dieser „Kundfahrt“ wurde auch in österreichischen Zeitungen wahrgenommen (Kleine Volkszeitung, 7.6.1939, Bregenzer/Vorarlberger Tagblatt, Freitag, den 9.6.1939). Frage mich, ob auch italienische Zeitungen berichtet haben ……

  2. Aufgrund einer Recherche des Wuppertaler Stadtarchivs konnte das vermutliche Sterbejahr von Wilhem Noss (1966 in Wermelskirchen) ermittelt werden. Leider wurde im zu untersuchenden Zeitraum 2 Personen mit dem Namen Karl Gräve ermittelt, so dass hier zu nächst nicht weiter geforscht werden kann.
    Die Recherche des Archivs des Deutschen Archäologischen Institus verlief ergebnislos.
    Vielen Dank an beide Kolleginnen!

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