„Der Maler und die Ärztin“ – In Freudenberg werden Werke von Carl Jung-Dörfler gezeigt

Das Freudenberger 4Fachwerk-Museum setzt seine Tradition fort, mit einer besonderen Präsentation an einen bedeutenden Siegerländer Künstler zu erinnern.
In der nun beginnenden und von Dr. Ingrid Leopold vorbereiteten Winterausstellung steht Carl Jung-Dörfler im Mittelpunkt. Es wird eine umfangreiche Werkschau sein, die einen tiefen Einblick in das Wirken und die Entwicklung des Künstlers gewährt. Viele der gezeigten Ölgemälde und Bleistiftskizzen stellte das Museum Wilnsdorf bereit, das in seinem Fundus über eine ganze Reihe von Jung-Dörfler-Werken verfügt.

4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel mit einem Selbstportrait von Carl Jung-Dörfler, Bleistiftzeichnung vom 12. April 1915

Carl Jung, in Obersdorf im Siegerland am 29. Januar 1879 als Ältester von acht Kindern geboren, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Bereits mit 13 Jahren musste er die Schule verlassen, um für den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen. Sein Vater, Johannes Heinrich Jung, war früh an Tuberkulose gestorben. Bis zu seinem 29. Lebensjahr arbeitete Carl für einen Hungerlohn im Bergbau. Allerdings: In jeder freien Minute zeichnete und malte er. Sein Talent wurde durchaus früh erkannt, aber erst 1908 ergab sich für ihn die Chance, die Kunstakademie in Düsseldorf zu besuchen. Vermutet werden darf, dass der katholische Ortsgeistliche auf die großen künstlerischen Fähigkeiten Jungs aufmerksam geworden ist und sich bei dem zu Besuch weilenden Weihbischof für einen Studienplatz an der Akademie in Düsseldorf eingesetzte. Die „Kaiserliche Schatullenverwaltung“ in Berlin habe dafür ein Stipendium bewilligt. Paul U. Unschuld , der das Buch „Die Ärztin und der Maler“ verfasste, überschreibt diese Lebensentwicklung Jungs mit den Worten „Aus dem Dunkel ins Licht“.

Carl Jung wurde Meisterschüler, fertigte kunstvolle Bleistiftskizzen an, malte ausdrucksstarke Portraits und immer wieder die Siegerländer Landschaft. Der Zusatz „Dörfler“, den er in Düsseldorf seinem Nachnamen Jung hinzu setzte, wird als Beleg für seine enge Heimatverbundenheit interpretiert.

1912 lernte er die jüdische Ärztin Hedwig Danielewicz kennen, mit der er 11 Jahre bis zu seinem frühen Tod verheiratet war. Der Maler starb am 1.9.1927 im Alter von 48 Jahren und wurde in Obersdorf beigesetzt.
Seine Witwe war als Jüdin zunehmender Rassendiskriminierung ausgesetzt. 1938 musste sie ihre Praxis in Düsseldorf abgeben und lebte fortan in bitterer Armut. 1941 wurde sie gemeinsam mit ihrer Schwester nach Minsk/Weißrussland deportiert. Dort ist sie im Ghetto umgekommen.

Die Ausstellung wird am Freitag, 24. November 2017, um 19:00 Uhr im Museum eröffnet. Einleitende Worte wird Dr. Ingrid Leopold sprechen. Die Geschwister Marion Puchelt (Viola da Gamba) und Julian Puchelt (Trompete) gestalten die musikalische Umrahmung.
Zur Vernissage und Berichterstattung lädt der Museumsverein sehr herzlich ein. Die Ausstellung bleibt bis zum 14. Januar 2018 in Freudenberg zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro.
Quelle: 4Fachwerk, Pressemitteilung

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