Das „Rheinische Kaufhaus für Lebensmittel“ 1956 in Siegen

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Die Rheika-Filiale in der Siegener Bahnhofstraße im Jahr 1956 (Vorlage: Stadtarchiv Siegen)

Die Rheika-Filiale in der Siegener Bahnhofstraße im Jahr 1956 (Vorlage: Stadtarchiv Siegen)

In seinem „Klick in die Vergangenheit“ widmet sich das Stadtarchiv Siegen regelmäßig unterschiedlichen Episoden der städtischen Geschichte. Besondere Anlässe, historische Ereignisse oder bislang unbekannte Aspekte sollen durch bebilderte Onlineartikel veranschaulicht werden. Auf der Website www.stadtarchiv-siegen.de wird in der neuen Ausgabe des „Klicks in die Vergangenheit“ die Geschäftsphilosophie des Rheinischen Kaufhauses für Lebensmittel – kurz „Rheika“ – am Beispiel der Niederlassungen im heutigen Stadtgebiet Siegens vorgestellt.

Im Hinblick auf Warendistribution, Produktpalette und Marketingstrategie lässt sich das Unternehmen durchaus als Vorgänger des modernen Discounthandels und seiner Niedrigpreispolitik bezeichnen. Sein Gründer, der Dormagener Lebensmittelkaufmann Cornelius Stüssgen (1877-1956), gilt nicht zu Unrecht als Pionier des deutschen Einzelhandels und Erfinder der Selbstbedienungsläden. Stüssgen hatte am 28. August 1897 unter dem Namen „Kölner Konsum-Anstalt“ seinen ersten Kaufladen in Kölns Stadtteil Ehrenfeld eröffnet. 1903 wurde seine Firma dann in „Rheinisches Kaufhaus für Lebensmittel“ umbenannt. Zu dem Zeitpunkt existierte bereits eine Filiale unter dem „Krönchen“, wo das „Kolonialwaarengeschäft von Cornelius Stüßgen in Köln-Ehrenfeld (Kölner Kaufhaus für Lebensmittel)“ unter der Adresse Markt Nr. 15 im Adressbuch der Stadt und des Kreises Siegen 1902/03 Erwähnung fand. Sein innovatives Konzept sah vor, die Lebensmittel, Haushaltsartikel und Drogerieartikel von seinem Personal bereits vor dem Verkauf im Warenlager fertig einwickeln und verpacken lassen. Die Grundlage der SB-Verkaufsidee war geboren! 1907 erfolgte die Eröffnung einer Filiale in der Bahnhofstraße, wodurch nun auch die Laufkundschaft in der Unterstadt für die Überseeartikel wie Kaffee, Tee, Reis und Zucker (daher auch die Bezeichnung „Kolonialwaren“) gewonnen werden konnte.
Am 1. Mai 1924 sollte Alois Sans (1891-1969) in das Unternehmen einsteigen. Der neue Geschäftsinhaber durchlebte die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den Wiederaufbau der Nachkriegszeit, in der seine Filialen in Siegen und Eiserfeld häufig ins Visier von Einbrechern genommen werden sollten. Das Diebesgut bestand 1948 jedoch nicht aus Bargeld, sondern aus Grundnahrungsmitteln. Allerdings konnten preisbewusste Käufer bereits zum 725jährigen Stadtjubiläums Siegen am 1. und 2. Oktober 1949 wieder auf ein ansehnliches Lebensmittelsortiment in den Rheika-Märkten zurückgreifen. Das Warenangebot war international ausgerichtet und lieferte eine reichhaltige Auswahl an Importprodukten, wenn auch sehr häufig in Form von Konserven. Aber auch Weinspezialitäten aus Italien und Griechenland waren vier Jahre nach Kriegsende bereits wieder erhältlich. Viele neue Niederlassungen im heutigen Stadtgebiet Siegens sowie in den Kreisen Altenkirchen, Wittgenstein, Olpe sowie im benachbarten Dillkreis und im Landkreis Biedenkopf im Geschäftsbereich von Alois Sans künden vom Erfolg der SB-Lebensmittelläden von Rheika im Jahr 1956.
Ein „Klick in die Vergangenheit“ also, der einen Beitrag zur Geschichte der Lebensmittelbranche und des Einzelhandels in Siegen liefert. Parallel findet noch bis Ende März 2016 eine Vitrinenpräsentation im Lesesaal des Stadtarchivs Siegen statt, die ergänzend einen Blick hinter die Kulissen von Rheika mit Abfüllstationen für Weinspezialitäten, Warenlager, Ladentheke oder Verkaufsannoncen gewährt.

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