Walter-Krämer-Straße in Goslar

Auf einem ehemaligen Fliegerhorst wurde eine Straße nach dem Siegener Walter Krämer benannt. Nach kontroverser Diskussion im Bauausschuss entschied sich der Rat der Stadt Goslar in seiner letzten Sitzung im Jahr 2017 für die Benennung. Einerseits hatte der mit der Erschließung des Gelände beauftragte Projektentwickler BLB, um die Vermeidung eines langwierigen politischen Streits gebeten, andererseits stellt die Benennung eine Anerkennung der Arbeit des ehrenamtlichen Vereins Spurensuche Harzregion dar, der sich um die Erinnerung an Walter Krämer verdient gemacht hatte.

Quelle: Goslarsche Zeitung/Harzer Tageblatt, Ausgabe Goslar/Nordharz, Nr. 299/234. Jg. v. 23.12.2017, S. 18 [Anm.: Ein Blick in das Bürgerinformationssystem der Stadt Goslar erlaubt die politische Diskussion nach zu verfolgen.]

LWL-Archäologie legt neuen Band der „Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe“ vor

Doppelseite aus dem Innenteil zur Bergung eines Treibstofftanks auf dem Gelände des Flugplatzes Lippe bei Burbach.
Foto: LWL


Mit Band 13 der Publikation „Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe“ schlagen die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) endgültig den Weg über das Internet ein. Möglich machte dies eine Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg. Erstmals wurden die einzelnen Beiträge unmittelbar nach Abschluss der Bearbeitung und damit deutlich vor dem Erscheinen der Druckfassung des Gesamtbandes im Internet mit Open Access bereitgestellt. Die Druckfassung ist ab sofort im Handel erhältlich.

Der neu erschienene Sammelband behandelt in fünf Beiträgen aktuelle Forschungen zur westfälischen Archäologie von der Jungsteinzeit bis zum 20. Jahrhundert. Den Auftakt bilden die beiden Aufsätze des LWL-Archäologen Dr. Ingo Pfeffer zu den neolithischen Siedlungsspuren der Grabungskampagnen von 1990 bis 1992 und von 1993 bis 1995 auf dem Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf.

Der anschließende Beitrag von Dr. Manuel Zeiler, wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie in Olpe, widmet sich den Untersuchungsergebnissen zweier Fundplätze des Zweiten Weltkrieges in Südwestfalen: dem Flugplatz Lippe bei Burbach und den Feldbefestigungen von Arnsberg-Kapune.

Im Fokus einer Studie zum eisenzeitlichen Fundplatz von Brilon-Madfeld des Archäologen Andreas Knäpper stehen die ältesten bislang bekannten Siedlungshinterlassenschaften des Hochsauerlandes.

Den Abschluss des Bandes bildet ein Aufsatz von Prof. Dr. Ralph Röber vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg zur renaissancezeitlichen Fensterverglasung von Schloss Horst in Gelsenkirchen.

Regionale Aufsätze:

– Manuel Zeiler, Fundplätze des Zweiten Weltkrieges in Burbach, Kreis Siegen-Wittgenstein, und Arnsberg, Hochsauerlandkreis

Das Open Access-Angebot der LWL-Archäologie für Westfalen ist unter http://www.lwl-archaeologie.de/Publikationen/open-access zugänglich. Alle Publikationen sind auch weiterhin als gedruckte Varianten erhältlich.

Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 13
364 Seiten, zahlr. Abbildungen, broschiert;
ISBN 978-3-8053-5147-8
29 €

Heute vor 70 Jahren: Die Verurteilung von Friedrich Flick vor den Nürnberger Prozessen am 22.12.1947

Von Dr. Oliver Hirsch

Friedrich Flick wurde am 13.Juni 1945 verhaftet. Flick unterhielt beste Kontakte zu den Oberen der Nazihierarchie, zu den Ministerien, Militärs und Sonderbeauftragten. Dies brachte ihn auf die Fahndungsliste, die von der Geheimdienstdirektion des US-Hauptquartiers herausgegeben wurde. Im Vorwort dieser Fahndungsliste ist zu lesen, dass die Industriellen „nichtsdestoweniger genau so gefährlich wie der deutsche Militarist, der SS-Mann und der Parteiführer der NSDAP“ waren (Jung, 1992, S.9).

Am 26.10.1946 wurde Telford Taylor zum Hauptankläger der Nachfolgeprozesse bestimmt. Im November 1946 konnte die Anklagebehörde mit der Vorbereitung des Falles Nr. 5 (Flick- Prozess) beginnen. Die Ermittlungen wurden jedoch immer häufiger von den Offizieren der eigenen Armee mit der Bemerkung behindert, es handele sich um radikale Aktionen gegen gute Industrielle und Bankiers, die dringend gebraucht würden, nämlich für den neuen antikommunistischen Kurs der USA.

Die Mitglieder des Gerichts im Fall 5 wurden vom Militärgouverneur bestimmt. Es waren der vorsitzende Richter Charles B. Sears, die beisitzenden Richter Frank N. Richmond und William C. Christianson, sowie das stellvertretende Mitglied Richard D. Dickson, die sämtlich Berufsrichter waren. Ihnen fehlten jedoch europa- und speziell deutschlandspezifische Kenntnisse, welches sich im weiteren Verlauf des Prozesses zum Teil in grotesk anmutenden Informationslücken offenbarte. Dr. Rudolf Dix fungierte als Verteidiger von Friedrich Flick, später trat Otto Kranzbühler für ihn in Erscheinung, der eigentlich den Mitangeklagten Odilo Burkhart vertrat. Flick war im weiteren Verlauf mit Dix zunehmend unzufrieden. Weitere Angeklagte waren Otto Steinbrinck, Konrad Kaletsch, Bernhard Weiß und Hermann Terberger.

Am 15.03. 1947 begann der Prozess mit der Verlesung der Anklageschrift. Er dauerte bis zum 22.12. 1947. Weiterlesen

Archivar 4 (2017) online

Das Schwerpunktthema dieses Heftes sind die Archive in der Zeit des Nationalsozialismus. Daneben stellt Mario Glauert, Potsdam, die neue DIN-Norm für den Archivbau vor, die auch die Umnutzung bestehender Gebäude in den Blick nimmt. Andrea Fronhöfer und Elena Mühlbauer, beide Passau, präsentieren das Projekt READ zur automatischen Handschriftenerkennung und Anreicherung archivischer Daten vor.

Link zur PDF-Datei

Heute vor 75 Jahren: Heinrich Himmler erlässt Dekret zur Deportation der Sinti und Roma

Aufgrund des „Auschwitz-Erlasses“ wurden aus Berleburg 134 Personen deportiert, die als „sozial angepasst“ zu gelten hatten und sich nach 200 Jahren Sesshaftigkeit so gut wie ausnahmslos nicht als „Zigeuner“ sahen.
Im Aktives Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus im Kreis Siegen-Wittgenstein kann man nach Opfer dieser Deportation suchen.
Die regionale Bibliographie des Wittgensteiner Heimatvereins verfügt über ein eigenes Kapitel zur Geschichte der Jenische und Sinti in Wittgenstein. Auf sechs Seiten findet sich dort die einschlägie Literatur.

73 Jahre Gedenken in Siegen – Gedenktag 16.12.2017

„Am 16. Dezember 1944 erlebte die Stadt Siegen die schrecklichsten Minuten in ihrer Geschichte. Über 50.000 Bomben wurden abgeworfen und unsere Stadt versank in Schutt und Asche, hunderte Menschen starben im Bombenhagel des Krieges, der seinen Weg zurück nach Deutschland fand, von wo er ausging.
Daran erinnern wir Bürgerinnen und Bürger jährlich und nun zum 73. Mal – in diesem Jahr mit dem Stillen Gedenken an der Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft am Dicken Turm des Unteren Schlosses, mit dem ökumenischen Gottesdienst in der Nikolaikirche, mit kulturellen und informativen
Veranstaltungen und den Aktionen des „Siegener Bündnisses für Demokratie“.
Programm:
15:00 Uhr Stilles Gedenken
Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft („Dicker Turm“ am Unteren Schloss)

Lesung: Den Opfern Namen geben!
Gedenkraum in Dunkelcafe Siegen, Kölner Str. 11,
Mehrstündige Non-Stopp-Lesung der Toten und Vermissten der beiden Weltkriege aus dem Siegerland.
2014 jährte sich der Beginn zweier Weltkriege: der des Ersten zum 100. und der des Zweiten zum 75. Mal. Die Gedenkaktion schließt daran an und macht aus anonymen Opfer-Zahlen wieder Personen.
Wir nennen in einer mehrstündigen Non-Stopp-Lesung die Toten und Vermissten beider Weltkriege aus unserer Region, geordnet nach Dörfern und Städten im Siegerland und in Wittgenstein.
Der verdunkelte Gedenkraum kann laufend betreten und verlassen werden. Eintritt frei!

15:30 Uhr Ausstellung vom 14.12. bis 20.12.
Ev. Martini-Kirche Siegen
‚Der Krieg kehrt dahin zurück, von wo er ausgeht – Siegen als Militärstandort im 2. Weltkrieg und die Gründe für die Zerstörung Siegens am 16.12.1944‘ Die Ausstellung kann gern auch von Schulklassen
besucht werden. Zur Terminabsprache wenden Sie sich bitte an Pfrn. Ute Waffenschmidt-Leng utewaffenschmidt-leng@t-online.de

16:00 Uhr „Hallo Nazi“, BlueBox Siegen, Szenen aus der Jugendtheaterproduktion des Apollo-Theaters

19:00 Uhr Konzert gegen Rechts, Vortex Siegen
Input: Niemand wird vergessen – Bruno Kappi (Referent: Torsten Thomas VVN-BdA)

Jetzt: Historisch wie archivisch interessante Kreiskulturausschusssitzung

Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Themen:
1. Keltische Verhüttungswerkstatt Gerhardsseifen. Kostenbeteiligung zur Errichtung eines Präsentationsbaus
2. Aktives Museum Südwestfalen: Zuschuss zur Finanzierung einer halben Stelle einer/eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin/Mitarbeiters ab dem Haushaltsjahr 2018
3. Erweiterungsmaßnahme für das Aktive Museum Südwestfalen: Übertragung der für 2017 bewilligten Zuschussmittel in das Haushaltsjahr 2018
4. Einrichtung einer Dokumentationsstelle für Wirtschaftsgeschichte innerhalb des Kreisarchivs
5. Aktueller Sachstand des Buchprojekts „Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein. Das 19. Jahrhundert“, mdl. Vortrag

Aus der Tagesordnung geht leider nicht hervor, ob auch die CDU-Anfrage zur Archivsituation im Kreisgebiet zur Sprache kommen wird.

Lesung anlässlich der Ausstellung von Carl Jung-Dörfler-Werken

4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel mit einer Bleistiftzeichnung von Carl Jung-Dörfler, 1915

„Im Museum“ betitelte der Maler Carl Jung-Dörfler eine kleine Zeichnung im Jahr 1915, in der er sich selbst und seine Frau Frau Hedwig Danielewicz abbildete.
Nicht nur diese Grafik ist gegenwärtig im 4Fachwerkmuseum zu sehen, sondern auch die Lebensgeschichte der beiden wird jetzt im Museum zu hören sein: Dr. Ingrid Leopold, die die gegenwärtige Ausstellung im 4Fachwerk-Museum zusammenstellte, und Volker Bunse laden zu einer gemeinsamen Lesung ein. Weiterlesen

Literaturhinweis mit einem Blick über die Kreisgrenze nach Olpe:

Norbert Hannappel SAC: Der Gestapo-Angriff auf das Pallottinerkloster in Olpe. 19. Juni 1941: Menschen im Widerstand – Zeitzeugenberichte und Dokumente. Norderstedt: BoD 2017.
(Paperback; 380 Seiten; 15,90 Euro; ISBN-13: 978-3-7460-3040-1)
edition leutekirche sauerland 8
[editionsbücher bisher: https://www.bod.de/buchshop/catalogsearch/result/?q=edition+leutekirche+sauerland ]

„Vom 19.-21. Juni 1941 stellten sich hunderte Bewohnerinnen und Bewohner der Kreisstadt Olpe gegen ein Gestapo-Überfallkommando. Ihre Proteste am örtlichen Pallottiner-Kloster gegen Vertreibung und Beraubung der Ordensleute wurden weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus bekannt und im NS-Machtapparat an höchster Stelle wahrgenommen. In einer klerikal verengten Kirchengeschichts­schreibung ist das mutige Widerstehen von „Laien“ oft ausgeblendet worden. Dieses Buch zum „Klostersturm“ zeigt, wie es anders geht. 1991 befragte Pater Norbert Hannappel SAC unter Nutzung eines Tonbandgerätes noch lebende Olper Zeitzeugen – gleichsam „in letzter Minute“. Es entstand eine einzigartige Sammlung von Berichten, ergänzt durch Quellen aus dem Ordensarchiv und die Erinnerungen einer resoluten „Laien-Agentin“ der Pallottiner. Die vorliegende Neuedition des Werkes „Menschen im Widerstand“ erschließt einen bemerkenswerten Quellenfundus. Sie enthält zahlreiche weitere Dokumente, auch zur amtlichen bzw. „parteiamtlichen“ Sicht der Olper Ereignisse von 1941. Die eindrucksvollste Demonstration gegen die braunen „Feinde Christi“ im Sauerland war getragen vom Glaubenssinn der Getauften. Das Vorbildhafte: „Olpe wehrt sich – gegen Nazis.“ – Akteurinnen & Akteure waren die „Laien“. Sie hatten die damalige Kirchenobrigkeit vorher nicht um Erlaubnis gefragt.“