Buchtipp: Veltzke „Unter Wüstensöhnen. Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg“

vletzkekleinDie fast unglaubliche, aber reale Geschichte, die das Buch erzählt, führt den Leser an kaum bekannte entlegene Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs: in das Osmanische Reich und das Reich des persischen Löwen. Und es führt den Leser zu den Ursprüngen brennender aktueller Themen der Gegenwart: der Kampf ums Öl, „Heiliger Krieg“, die Konflikte auf der arabischen Halbinsel und im Iran oder die Frage eines deutschen Militäreinsatzes im orientalischen Raum.
Unter der Leitung von Hauptmann Klein (1877-1958) und seinem jüdischen Adjutanten Leutnant Stern (1883-1972) gelingt es einer deutschen Expedition gemeinsam mit arabischen und persischen Stammeskriegern einen erfolgreichen Entlastungskrieg gegen weit überlegene britische und russische Truppen zu führen und die britische Pipeline am Persischen Golf zu sprengen.
Aber die Begegnung mit fremden Kulturen verändert das Leben Hauptmann Kleins grundlegend und macht ihn zum entschiedenen Kritiker des europäischen Imperialismus.

Mit vielen Ausschnitten aus den Originalquellen und bisher unveröffentlichten historischen Fotografien wird die dramatische Geschichte dieser »deutschen Lawrence von Arabien« wissenschaftlich fundiert und spannend erzählt.

Veit Veltzke ist promovierter Historiker und seit 1991 Direktor des Preußen-Museums Nordrhein-Westfalen in Wesel und Minden. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, unter anderem zur Geschichte Brandenburg-Preußens, zur napoleonischen Ära und zur deutschen Geistes- und Kulturgeschichte um 1900.

Veit Veltzke
Unter Wüstensöhnen
Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg
400 Seiten
105 Abbildungen
16,5 x 22 cm
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-89479-849-9
34,95 EUR

Quelle: Verlagswerbung

5 Gedanken zu „Buchtipp: Veltzke „Unter Wüstensöhnen. Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg“

  1. Der Artikel in der SZ vom 13.12.2014 den ich mal als regionalen Start
    zur Person Fritz Klein bezeichnen möchte, beschreibt leider nur den
    Zeitraum bis zum Ende des 1. WK.
    Die Zeit danach wird nur kurz angerissen.
    Zitat „Später nach dem Krieg, strebte Fritz Klein eine geistige Verschmelzung von Orient und Okzident an. Wie bereits eingangs erwähnt, pflegte er Kontakt zu zahlreichen Philosophen.“ SZ vom 13.12.2014 Seite 43 „Unser Heimatland“.
    Mich würde interessieren, was Fritz Klein
    nach dem 1. WK gemacht hat und besonders, wie
    war seine Haltung zum Nationalsozialismus.
    Vieleicht verfügt jemand über genauere Kenntnisse und kann diese hier mitteilen.

    • Fritz Klein im Nationalsozialismus wird offensichtlich nicht in den Fokus genommen s. z. B. auch

      “ ….. Hauptmann Fritz Klein repräsentierte den Typ des weltläufigen preußischen Offiziers westlicher Prägung. Aus einer Siegerländer Industriellenfamilie stammend, verbrachte der Berufsoffizier seine Militärzeit ganz überwiegend bei einem rheinischen Infanterie-Regiment, meldete sich 1904 für eine einjährige Weltreise ab und wurde zwischen 1910 und 1913 jeweils für ein Jahr als Militärattaché an die Gesandtschaften in Rio de Janeiro, Kairo und Teheran abkommandiert. Schon in jenen Jahren widmete sich der Offizier, vom Dienst nicht allzu sehr beansprucht, den frühen Hochkulturen Ägyptens und Vorderasiens. Nach seiner Orient-Mission 1914–16 entwickelte sich Klein zum heftigen Kritiker der Kriegsziel- und Innenpolitik der 3. Obersten Heeresleitung und machte Kapitalismus und Imperialismus bei allen Kriegsparteien für die Katastrophe des Krieges verantwortlich. Ernüchtert war auch das spätere Fazit seiner Mission: Der „Heilige Krieg“ sei nur ein „scheinheiliger Krieg“ gewesen, da sowohl die persischen wie arabischen „Glaubenskämpfer“ ihren Einsatz überwiegend vom geschäftlichen Standpunkt aus betrachteten. Nach dem Krieg verbrachte Klein seine Jahre als erkenntnistheoretischer Philosoph und erstrebte eine geistige Verschmelzung von Orient und Okzident. Kein anderer der militärischen Führer im Orient, auch T. E. Lawrence nicht, sollte sich so weit von den imperialistischen Grundlagen seiner Expedition und den Denkgewohnheiten seines sozialen Umfeldes entfernen. ….”
      in: VEIT VELTZKE: Mission in der Wüste. DIE VERGESSENE ORIENT-EXPEDITION DES PREUSSISCHEN HAUPTMANNS UND OSMANISCHEN MAJORS FRITZ KLEIN UND SEINER MÄNNE, ROTARY MAGAZIN 11/2014, http://rotary.de/gesellschaft/mission-in-der-wueste-a-6577.html (Aufruf: 25.11.2014)

      Folgende weitere Literatur konnte auf die Schnelle eruiert werden:

      U. Gehrke, Persien in der deutschen Orientpolitik während des Ersten Weltkrieges, Darstellungen zur Auswärtigen Politik 1, 2 vols., Stuttgart, 1960

      H. Lührs, Gegenspieler des Obersten Lawrence, 5th ed., Berlin, 1936.

      Adolf Wurmbach: Schriftsteller und Philosoph Major a. D. Friedrich Klein 80 Jahre alt, Siegener Zeitung, 14.1.1957

      Veit Veltzke: „Heiliger Krieg“ – „Scheinheiliger Krieg“: Hauptmann Fritz Klein und seine Expedition in den Irak und nach Persien 1914-1916,in: Wilfried Loth / Marc Hanisch (Hgg.): Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients, München: Oldenbourg 2014, S 119-144

      Siegerländer Heimatkalender 1958 mit kurzem Nachruf auf Fritz Klein

      Siegerländer Geschlechterbuch 1937 mit genealogischen Angaben

      Im Bundesarchiv befindet sich unter der Signatur N 1541 der Nachlass seines Adjudanten EdgarStern-Rubarth. N 1541/32 enthält „A Dying Empire or The Last Days Of The Sultans or Playing ‚Lawrence‘ On The Other Side“ (Enthält auch:
      Deutschsprachiges, selbstgezeichnetes Deckblatt: „Versinkendes Reich“)

    • Im Buch finden sich auf S. 341 einige spärliche Hinweise zum Verhältnis Kleins zum Nationalsozialismus
      1) Missverständnis des „Führers“: Zunächst ging Klein von einer Pazifizierung durch Hitler aus.
      2) Parteizugehörigkeit: Klein gehörte der NSDAP von Mai 1933 bis zum 29.11.1934 an. Klein ist „aktiv“ ausgetreten.
      3) in seinen Schriften finden sich ab 1938 antisemitische Stereotypen. Ein Vertreten der nationalsozialistischen Rassenideologie ist nicht nachweisbar.
      Mein Eindruck: Klein war wohl zu großbürgerlich und zu individuell für den Nationalsozialismus.

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